Meine EuroEyes Cyclassics Hamburg am 20. August 2017

Cyclassics 2017 Joern 1

Immer noch unter dem Eindruck meiner ersten Cyclassics Hamburg stehend, bringe ich hier mal ein paar Zeilen auf den Bildschirm.

Um 4:15 Uhr war es vorbei mit dem Schlaf. Erbarmungslos klingelte uns der Wecker aus dem Bett. Uns hieß, meine bessere Hälfte Michaela als mein Groupie und meine Wenigkeit, der Zweiradler. Da ich am Vorabend bereits alles zurechtgelegt hatte, musste nur noch das Rad ins Auto verladen werden. Um 5:00 Uhr war dann Abfahrt nach Hamburg über die, um diese Uhrzeit wenig befahrene Autobahn A1. Wir parkten in Hammerbrook, um dann von dort zwei Stationen mit der S-Bahn bis zum Jungfernstieg zu fahren. Dort angekommen, ging es erstmal zum Frühstück zum Skoda VIP Bereich. Da ich über das Autohaus Hesse im Skoda Veloteam gemeldet war konnte ich nebst meinem Schatz den Bereich nutzen und mich somit gut gestärkt auf die fast 60 km machen. Im Skoda VIP Bereich war im Übrigen auch am Vortag die Starterbeutelausgabe und Pre-Race-Pasta-Party, mit Musik und gutem Essen.

Gemeldet war ich für die Cyclassics 60 (56,7 km), also die kürzeste von drei Streckenlängen der Jedermannrennen, die anderen waren 120 (119,9 km) und 180 (174 km). Wir starteten aus dem sogenannten SKODA Block. Dieser war auf der Kennedybrücke Richtung Dammtor vorne im Startblock E, in dem wir uns gegen 7:30 Uhr einfanden. Noch ein paar Fotos gemacht und mich mit Michy verabredet, wo sie wann sein wird und wann ich ungefähr ins Ziel komme, und dann ging es mit einem Countdown um kurz vor 8:00 Uhr los.

Cyclassics 2017 Joern und Bjoern 1

Björn und Jörn vorm Start

Durch abgesperrte Straßen ging es in gutem Tempo los. Da die Straßen breit genug waren, kam ich nicht allzu sehr in Bedrängnis mit anderen Fahrern und fand somit recht schnell ein angenehmes Tempo für mich. Mit im Schnitt 30 km/h ging es bei sehr gutem Wetter, nicht zu warm und nicht zu kalt, zügig durch Hamburg raus in Richtung Schenefeld. Das war auch das für mein Empfinden langweiligste Stück der Strecke. Nur geradeaus und links und rechts nix zu sehen. Auf dem Teilstück sah ich aber dann zwei mir bekannte Fahrer in ihren HFS-Trikots, Thomas und seine Frau, beide auch aus Harsefeld. Nachdem ich zu ihnen aufschloss wurden noch ein paar Worte gewechselt, und dann zog ich auch schon weiter.

Gerade auf diesem Teil der Strecke, als ich so den einen oder anderen überholte, kam mir immer wieder der Gedanke, dass ich es nicht zu schnell angehen sollte, irgendwann später wird sich das bestimmt rächen. Auch der Anstieg Kösterberg war etwas, was mir Sorgen machte, da ich es mit dem bergauf eh nicht so habe, und ich überhaupt nicht einschätzen konnte was da auf mich zukommt. Ich horchte aber immer mal in mich hinein, und es fühlte sich die ganze Zeit über gut an. Selbst als es gegen den Wind ging, kostet mich das nicht wirklich viele Körner. Sollte sich das Training die ganzen Wochen vorher doch irgendwie gelohnt haben? Ich blieb trotzdem skeptisch.

Durch Holm ging es dann über Wedel weiter Richtung Blankenese. Und da kam dann der Anstieg Kösterberg, nach einer guten Rechtskurve ging es dann auch gleich bergauf. Also mal locker in einen leichten Gang geschaltet und versucht, gleichmäßig pedalierend den Anstieg zu fahren. Das ging dann auch recht gut, was ich nicht erwartet hatte. Bergauf ist ja nie mein Ding gewesen und war es auch diesmal nicht, aber mit dem Wissen, dass danach ja noch mehr Strecke kommt, fuhr ich den Kösterberg-Anstieg mit zum Teil 6 Prozent Steigung ruhig und ohne groß zu hetzen hoch. Das war dann auch schneller vorbei als gedacht und es ging leicht bergab, bis nach einem kurzen Stück Kopfsteinpflaster es nochmal bergauf ging. Aber auch das, wie heißt es so schön, ging vorbei.

Nach diesem Anstieg, der nicht so war wie von mir befürchtet, zog ich das Tempo wieder etwas an und war durch Blankenese über die Elbchaussee runter an die Elbe schneller durch als erwartet. Nachdem ich einen kurzen Blick nach gegenüber geworfen hatte, zu den Jungs vom Bau der fliegenden Fortbewegungsmittel, ging es weiter vorbei an Teufelsbrück Richtung Hamburger Innenstadt. Es war nicht mehr weit! Und ich war immer noch gut drauf, die Beine fühlten sich weiterhin gut an und Luft war auch immer noch genug. Das merkte ich bei jeder Abfahrt. Wo andere sich rollen ließen, schaltete ich Kette rechts und genoss die rasante Fahrt.

Damit man auch so ungefähr weiß, wo ich lang fuhr, hier mal eine Übersicht über die Strecke

Strecke Cyclassics 60 2017

Cyclassics 60

Aufgezeichnet habe ich wie immer mein Rennen mit Strava

Von der Elbchaussee führte die Strecke weiter in Richtung St. Pauli über die Reeperbahn. Dort waren dann schon eine ganze Menge mehr an Zuschauern die einen anfeuerten. Da ich als Nicht-Hamburger mich zwar im Grunde so gar nicht da auskenne, wusste ich dort aber, dass das Ziel näherkam. Vorbei an den großen Wallanlagen und der Musikhalle ging die Fahrt Richtung Rödingsmarkt. Beflügelt durch die immer mehr werdenden Zuschauer, flog ich förmlich in die Mönckebergstraße dem Ziel entgegen, wo ich dann noch jemanden meinen Namen rufen hörte. Michy hatte sich kurz vorm Ziel postiert, um meine Zieleinfahrt mitzuerleben!

Es ist eben immer schön, wenn jemand dabei ist, mit dem sich die Freude oder auch der Ärger teilen lässt. Aber von Ärger war keine Spur, denn durch und durch glücklich fuhr ich ins Ziel!  Dort angekommen fühlte mich immer noch gut und überhaupt nicht kaputt. Das Training hatte sich wohl doch gelohnt.

Cyclassics 2017 Joern Zieleinlauf

Apropos Training. Wie war denn eigentlich meine Zeit? Ich hatte ja im Training die 60 Kilometer nie unter 2 Stunden 15 Minuten geschafft und das war dann somit auch die Zeit, die ich schaffen wollte. Langsamer wäre für mich enttäuschend gewesen und zwei Stunden hätten mich glücklich gemacht. Doch mein Blick auf die Uhr liess mich staunen. Weder die 2h 15min noch die 2 Stunden wurden es. 1 Stunde! 46 Minuten! und 18 Sekunden! Bitte?! Das hatte ich im Leben nicht erwartet und das machte somit das ganze Rennen noch perfekter. Mit dem Rad zu springen ist nicht so einfach, aber innerlich hüpfte ich auf und ab. Naja, Kinder halt!

Cyclassics 2017 Joern 2

Im Auslaufbereich wurden wir über den Steintorwall zum Ballindamm geführt, wo wir unsere Medaillen in Empfang nehmen konnten. Und da kam es dann. Ich stieg ab und… konnte vor Schmerzen kaum gehen! Die Rückseite beider Oberschenkel meinten, dass ich gefälligst den Scheiß mit dem Gehen lassen und wieder aufs Rad sollte. Gefühlt hätte ich noch lange weiterfahren können, aber gehen keinen Meter! Es dauerte dann auch eine ganze Weile, bis der Schmerz etwas abklang und ich mich relativ vernünftig auf zwei Beinen bewegen konnte.

Mit meiner Medaille um den Hals ging ich dann zurück zum Skoda Bereich vor dem mein Schatz mich schon erwartete und in dem wir dann diesen tollen Tag bei gutem Essen, vielen Erzählungen über die Erlebnisse der einzelnen Mitfahrer und einer wohltuenden Massage ausklingen ließen.

Es ist sicherlich herauszulesen, dass ich einen tollen Tag hatte und meine ersten Cyclassics mich einfach nur begeisterten und es immer noch tun! Es passte einfach alles; von meinem Fitnesszustand, über das Wetter bis hin zu den tollen Leuten, mit denen ich den Tag und den Vorabend verbringen durfte.

2018 werde ich wieder dabei sein, auch wenn es dann bestimmt anders sein wird, denn das erste Mal ist ja immer etwas Besonderes.

Cyclassics 2017

Videos von den Cyclassics 60 2017


Leider ist der Rest nicht mit aufgenommen wurde, da die Kamera streikte.


Zieleinlauf: Ganz am Ende husche ich schnell vorbei, lautstark von meinem Schatz unterstützt.